IM PORTRÄT

Anne Haase, Buchautorin: „Ich schreibe seit meiner Kindheit und konnte mich nie auf eine Richtung, einen Stil oder anderes festlegen.

So umschreibt die in Dünnwald lebende Schriftstellerin Anne Haase ihre Arbeit in ihrem letzten Buch „Sie werden es erleben. Das Taschenbuch ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, „die Sie in Welten, Zeiten, an Orte und zu Gegebenheiten, Gedanken und Einsichten führen wird, zu denen Sie schon immer einmal wollten..., so der Klappentext. Die Geschichten, die Haase erzählt, leben nicht vom Aha-Effekt – sie liebt es, Rätsel erst mit dem „letzten Satz aufzulösen.

Bekannt geworden ist Anne Haase – eine gelernte Kauffrau - durch ihre Kinderbuchgeschichten. In der Reihe „Was der Fuchs erzählt... sind bis jetzt 14 Titel erschienen:  Mondgeschichten, Sankt-Martin-Geschichten, Die dicke Berta, Kleiner bunter Vogel oder Ostergeschichten. Aber die Festlegung auf eine Kinderbuchautorin ist ihr zu eng. Sie will offen bleiben für alle Sachgebiete und Themenbereiche und möchte ihrer Fantasie keine künstlichen Grenzen und Barrieren setzen. „Das Schreiben von Kindergeschichten macht Spaß und geht leicht von der Hand, meint sie schmunzelnd, wird im gleichen Augenblick ernsthaft und erzählt über ihr neuestes Projekt: Ein Buch zum Thema Klonen. Daran arbeitet sie bereits seit geraumer Zeit. Wichtig ist ihr, die moralischen und ethischen Fragen dieses sensiblen Themas aufzugreifen. Arbeitstitel: Das gezüchtete Herz.

 

Und die Ideen? Flattern die einem nur so zu? Manchmal schon, wenn man der Fantasie freien Lauf lässt, meint sie. „Die Ideen kommen zwischendurch. Manchmal ist es ein Wort oder ein Satz, der einem nicht mehr aus dem Sinn geht, weil er sich irgendwo festgesetzt hat. Dann läuft im Kopf ein Film ab, aus dem sich dann letztlich die Geschichte entwickelt, fügt Anne Haase hinzu. Das Bildhafte spiele bei ihr eine große Rolle. Häufig denkt sie erst in Bildern und dann kommt die Auseinandersetzung mit dem Wort.

 

Fantasie und Ausdauer. Das sollte man zum Schreiben schon mitbringen. Fantasie, um ein Konzept gedanklich zu entwickeln, die handelnden Personen klar zu charakterisieren, sich entfalten zu lassen und einen Spannungsbogen aufzubauen. „Aber man muss die Geschichte ja auch zu Ende bringen, ohne den Überblick zu verlieren und ohne dass sich die agierenden Personen verselbstständigen, fügt sie hinzu und dafür braucht man halt Ausdauer. Und das kann durchaus auch mal ein schmerzlicher Prozess sein.

 

Jeden Tag zehn Seiten? Nein, so funktioniere es bei ihr nicht sagt sie und lacht: „Ich bin Mutter von drei Kindern, habe einen Mann, muss einen Haushalt versorgen, bin noch beruftätig, leite eine Schreibwerkstatt in der VHS und bin auch sozial engagiert. Einen festen Plan kann ich mir gar nicht machen - ich schreibe sporadisch. Mit einfachen Themen gehe ich ein paar Tage schwanger, dann steht der Aufbau, der Spannungsbogen ist klar und der Ablauf ist stimmig. Das schreibe ich dann runter. Bei komplizierteren Themen oder längeren Geschichten braucht dieser gedankliche Prozess viel mehr Zeit. Ich schreibe dann eher phasenweise, erst handschriftlich, weil mir das ein intensiveres Gefühl für die Sprache vermittelt, radiere nicht sondern streiche durch, damit ich die Veränderungen verfolgen kann und erst wenn die Phase stimmig ist und sitzt, gehts an den PC.

 

Das finanzielles Risiko gehört dazu. Anne Haase produziert und vermarktet ihre Bücher in Eigenregie. „Bei anderen Verlagen muss ich mich auch am finanziellen Risiko beteiligen, also kann ich das Risiko auch gleich selbst übernehmen, sagt sie. Darum gründete sie ihren eigenen Verlag. Die Bücher verkauft sie direkt, beliefert aber auch den klassischen Buchhandel und ist sogar in Bioläden zu finden.

 

Hobbies:Wenn noch Zeit bleibt, pflegt sie ihre musischen Interessen - sie spielt Gitarre und Blockflöte, kümmert sich um das Ferienhaus in Holland oder ist künstlerisch tätig: Dann fertigt sie dekorative Bleiverglasungen an. Ihr Lieblingsautor ist Piers Anthony, ein Fantasy- und Science Fiction-Autor, den sie aber nur in Holland liest, weil sie sonst zu nichts anderem mehr käme.

Wenn sie mehr über Anne Haase und ihre Bücher erfahren möchten, schauen sie doch mal auf ihre Internetseite. Unter www.haasefuchs.de.· mr

 

Ortsgespräch, Leben und Einkaufen in Dünnwald, Ausgabe 42, Dezember 2003

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